Selbstbestimmtes Sterbefasten: Umstrittenes Thema erreicht Werdohl

Selbstbestimmtes Sterbefasten: Umstrittenes Thema erreicht Werdohl

(von links): Arche-Koordinatorin Annette Voß, Pfarrer Dirk Grzegorek, Sonja Kitsch vom Sozialdienst des Wichernhauses, Vikar Andreas Hoenemann und Wichernhaus-Leiterin Kerstin Medenbach.

Selbstbestimmtes Sterbefasten: Umstrittenes Thema erreicht Werdohl

Der ehrenamtliche ambulante Hospizdienst Arche, das Wichernhaus Werdohl und die evangelische Kirchengemeinde Werdohl bereiten sich auf einen ganz besonderen Themenabend vor.

In der Passionszeit im März kommenden Jahres soll es um den „Ausweg Sterbefasten“ gehen. Beim Sterbefasten verzichten Schwerstkranke freiwillig und selbstbestimmt auf Nahrung und Flüssigkeit, bis der Tod eintritt. Das Thema ist ethisch, theologisch und juristisch umstritten.

Bislang gibt es aber nur das Thema und einen Termin für diesen Informationsabend. Die Organisatorinnen trafen sich mit einem fast halbjährigen Vorlauf im Wichernhaus, um den Abend zu besprechen. Festgelegt ist der 25. März 2020, ab 19 Uhr im Gemeindehaus an der Freiheitstraße der Christuskirche. Für die evangelische Kirchengemeinde saßen bei der Vorbesprechung Pfarrer Dirk Grzegorek und Vikar Andreas Hoenemann mit am Tisch. Zur Kirchengemeinde gebe es enge Verbindungen, erklärte Kerstin Medenbach. Sie leitet das Wichernhaus als evangelisches Altenzentrum, getragen wird es von der Perthes-Stiftung.

Sterben gehört zum Alltag

Annette Voß aus Lüdenscheid, eine von drei hauptamtlichen Kräften beim ambulanten Hospizdienst „Die Arche Lüdenscheid“ , sieht die Arbeit der Ehrenamtlichen als über-konfessionell und ökumenisch. Das Wichernhaus wird natürlich auch nicht nur von gläubigen Christen bewohnt, auch in der Mitarbeiterschaft gibt es Andersgläubige. Sterben gehört zum Alltag in einem Pflegeheim, Medenbach benennt Grenzen des Leistbaren: „Eine Sitzwache wie früher kann eine Pflegeschwester nicht leisten, im normalen Pflegealltag ist das nicht möglich.“ An dieser Stelle kommen die ehrenamtlichen Sterbebegleiter von der Arche ins Spiel. Voß: „Unsere Ehrenamtlichen bringen vor allem viel Zeit zum Zuhören mit.“ Sterbende könnten sich gegenüber den gut ausgebildeten Arche-Leuten öffnen und sich ihnen anvertrauen. +

Wünscht jemand eine Begleitung durch die Arche, wird ein Begleitungsauftrag erteilt. Die Kordinatorin Annette Voß oder eine ihrer Kolleginnen kommt zum ersten Besuch und sucht danach einen Ehrenamtlichen aus dem Kreis der Freiwilligen aus, die zu der sterbenden Person passen könnte. In einem zweiten Besuch nimmt die Hospizbegleiterin/Hospizbegleiter Kontakt auf und vereinbart den Zeitrahmen und die Dauer der Besuche und der Begleitung.

Sterben selbstbestimmt beschleunigen

Sterbefasten gilt seit vielen Jahren als eine Möglichkeit, das eigene Sterben selbstbestimmt zu beschleunigen. Voß spricht dabei von Menschen, die für sich keinen Ausweg mehr sähen aus ihrem Leid. Bei dem Infoabend „Ausweg Sterbefasten“ sollen auch ethische Fragen diskutiert werden. Nach Vorträgen oder Referaten soll es bei dem Infoabend auch reichlich Gelegenheit für Fragen aus dem Publikum geben.

Annette Voß und Kerstin Medenbach stellten bei dem ersten Vortreffen für die Infoveranstal-tung auch ihre bisherige Zusammenarbeit vor. Sitz der Arche ist in Lüdenscheid, es gibt Ortsgruppen im ganzen südlichen Kreisgebiet, so auch in Werdohl, Neuenrade, Altena und Nachrodt-Wiblingwerde. An die Einwohner dieser Region richtet sich der geplante Infoabend.

Kooperation mit Palliativstation

Die Helferinnen und Helfer der Arche betreuen die Sterbenden selbst genauso wie deren Angehörige. Eine Kooperation mit der Palliativstation im Klinikum Lüdenscheid besteht. Begonnen wurde die hauptamtliche Arbeit in 2014, Voß spricht von einer großen Nachfrage: „Der Bedarf ist wirklich groß. Sterben soll wieder zum Leben dazugehören.“ Die Arche will ermöglichen, dass Menschen in ihrem häuslichen Umfeld sterben können. Kerstin Medenbach schließt diesen Kreis: Viele Bewohner kämen von einer medizinischen Behandlung im Kran-kenhaus zurück zum Sterben ins Wichernhaus. Für die Bewohner sei die Altenpflegeeinrich-tung das Zuhause. Medenbach: „Für uns ist es ganz wichtig, mit der Arche zusätzlich und anders unsere Bewohner betreuen zu können.“ Bei der Sterbebegleitung gebe es religiöse, medizinische und betreuerische Ebenen.

Kontakt

Die Koordinatorinnen der Arche Lüdenscheid sind unter Tel. 0 23 51 / 6 63 13 11, Tel. 01 76 / 32 18 05 70 oder Tel. 01 76 / 82 41 30 24 zu erreichen. Kontakt zu Kerstin Medenbach vom Wichernhaus bekommt man unter Tel. 0 23 92 / 9 15 90.

Come On/ Lüdenscheider Nachrichten

22.10.2019/21.10.2019

Volker Heyn