Hospizarbeit: Gefördert, aber nicht finanziert

Hospizarbeit: Gefördert, aber nicht finanziert

38 Begleitungen allein in Halver im vergangenen Jahr / Arbeit wird getragen aus privaten Darlehen


HALVER. „Begleitungen“ nennen es die Ehrenamtlichen und die hauptamtlichen Koordinatoren, wenn Menschen auf dem letzten Abschnitt ihres Lebensweges jemanden gefunden haben, der ihnen zuhört, sie im Leiden und auf dem Weg in den Tod nicht alleine lässt.

Das ist, grob verkürzt, die Arbeit des Ambulanten Hospizes „Die Arche Lüdenscheid e.V.“ Der Lüdenscheider Verein hat in Halver seine größte und älteste Ortsgruppe. Zurzeit 13 Ehrenamtliche und drei weitere, die sich noch in der Ausbildung und Fortbildung befinden, zählt die Gruppe. Allein in Halver wurden letztes Jahr 38 Menschen bis zu ihrem Tod begleitet. Das bedeutet in diesem Zusammenhang, 38 Begleitungen wurden abgeschlossen.

Über diese Arbeit, die gesetzlich verankert ist, informierte jetzt die Gründerin der Arche und Koordinatorin Ute Gall, im Ausschuss für Soziales. Gemeinsam mit der Vorsitzenden Margit Hillesheim, rollte die Oberbrüggerin auf, welche immensen Probleme für die Hospizarbeit bestehen, aber auch welche Chance sich für Sterbende und ihre Angehörigen, aber auch für die Ehrenamtlichen selbst ergeben.

Geradezu für Fassungslosigkeit sorgte in der Sitzung die Auskunft zur Finanzierung der Arbeit. Das Ambulante Hospiz werde „gefördert, aber nicht finanziert“. Konkret bedeutet das, das laufende Kosten aus Spenden und privaten Darlehn selbst finanziert werden müssen. Ab 22 „abgeschlossenen Begleitungen“ könne der Verein die Förderung der anfallenden Kosten für eine halbe hauptamtliche Koordinatorenstelle beantragen. Fortbildungen und Referentenhonorare nach 18 Monaten rückwirkend beantragen, schilderte Ute Gall die problematische Finanzsituation: „Ehrenamtliche Tätigkeit ist geschenkt, aber nicht umsonst. Sie kostet Geld.“ Weder diese noch die Grundzüge der Arbeit seien in der breiten Bevölkerung bekannt, so ihre weitere Feststellung.

Mit allen Halveraner Alteneinrichtungen gebe es feste Kooperationsvereinbarungen, doch auf privater Ebene sei dieses Angebot – übrigens kostenfrei für die Betroffenen – viel zu wenig bekannt. Dabei kann die Arche einen Missstand beheben, der sich an einer einfachen Zahl festmachen lässt:“ 90 Prozent der Menschen möchten in ihrer gewohnten Umgebung und im Beisein ihrer Lieben sterben. Aber nur wenigen kann es ermöglicht werden. Diese Krisensituation führt oft in Ängste hinein, die nur mit Unterstützung bewältigt werden können“. An dieser Stelle setzt die Arbeit der Arche ein, die in ihrem Einzugsgebiet mit Halver, Schalksmühle, Neuenrade, Altena, Werdohl und Nachrodt im letzten Jahr 86 Begleitungen unter steter Achtung ihrer Verschwiegenheitspflicht absolviert hat.

Florian Hesse – Halveraner Zeitung 24.06.2017