„Es ist okay, traurig zu sein“

„Es ist okay, traurig zu sein“

„Der Trauer Raum geben“: Marielle Lauermann-Gall (links) und Ilona Bürger möchten Kinder unterstützen, die Verlust, Tod, Trauer und Abschiedsschmerz erfahren. Foto: Schwartländer

 

Arche Lüdenscheid gründet Trauergruppe „Insel“ für Kinder und Eltern

Lüdenscheid. Trauer gehört zum Leben, wissen Menschen aus Erfahrung. Weil Kinder die verschiedenen Formen der Trauer erst kennenlernen, sollen sie bei der Arche Lüdenscheid den Umgang damit lernen: Mit der „Insel“ ist eine Gruppe für Kinder im Alter von sieben bis elf Jahren entstanden. Die Verantwortlichen wollen das Thema auch in Schulen und Gemeinden besprechen.

Hinter dem neuen Projekt stehen Ilona Bürger und Marielle Lauermann-Gall. Sie haben im Martinus-Haus an der Graf-von-Galen-Straße in Lüdenscheid eigens einen Raum dekoriert – darin zur „Insel“ passende Palmen, Schatzkiste und Materialien für die anstehenden Gruppenstunden. Trauer ist ihnen im Alltag immer wieder begegnet, die Gründung einer Trauergruppe die logische Konsequenz. Ilona Bürger, Augenoptikerin und Kinder- und Jugend-Trauerbegleiterin, sagt: „Das Thema trifft einen überall.“ In ihrer Heimat arbeitete die gebürtige Polin und Mutter von drei Kindern als Grundschullehrerin.

Marielle Lauermann-Gall ist Sozialpädagogin, in ihrem Beruf arbeitete sie bislang meist mit Kindern zusammen und engagierte sich bei den Pfadfindern. Warum sie sich darüber hinaus der Trauerbegleitung widmet? „Immer wieder“, sagt sie, „hat mich Trauer beschäftigt.“ Eine Krankheit gehöre ebenso dazu wie eine Scheidung der Eltern – oder, klassisch bei Ausflügen: Heimweh. Mit Sterben und Tod müsse sich jeder eines Tages auseinandersetzen. „Alle werden geboren, alle sterben.“ Traurig zu sein, sei okay – und eine normale Reaktion. „Das weiß man aber nur, wenn man sich zuvor damit auseinandergesetzt hat.“ In Gruppenstunden wollen Marielle Lauermann-Gall und Ilona Bürger der Trauer jetzt Raum geben und etwa den Eltern etwas abnehmen. Funktionieren soll das mit Zeit zum Reden, Geschichten und Aktionen. Das Angebot ist für acht Kinder geplant. Parallel dazu werden Gespräche mit Eltern und Betreuern geführt. Leiterin dieser Treffen ist die Trauerbegleiterin Sabine Röhrbein.

Auf einen Einschnitt im Leben würden Kinder und Erwachsene zudem unterschiedlich reagieren. Ilona Bürger: „Erwachsene befinden sich in einem Trauerfluss – Kinder sind mal traurig, schalten zwei Minuten später aber wieder um.“ Jugendliche betrachteten Situationen hingegen durch eine Lupe, vergrößert und intensiv.

Ute Gall von der Arche Lüdenscheid freut sich über das Angebot – auch wenn es bislang nur wenige Anfragen gibt. So wünscht sich Gall, dass Bildungseinrichtungen Kontakt aufnehmen, bei denen die Experten referieren. „In Familienzentren möchten wir auf jeden Fall über Kinder-Trauerarbeit berichten, in Grundschulen wäre es sehr erstrebenswert.“ Die Gruppe trifft sich alle zwei

Wochen dienstags von 16.30 bis 18 Uhr in den Räumen der Arche Lüdenscheid, Graf-vonGalen-Straße 6. Infos gibt es bei der Katholischen Erwachsenen- und Familienbildung Altena-Lüdenscheid unter Tel. 02351/905290. Dort sind auch Anmeldungen möglich. Das Gruppenangebot für die Kinder kostet 40 Euro, das Gesprächsangebot für Angehörige und Betreuer acht Euro.

Anders als das Ambulante Hospiz werde die KinderTrauerarbeit nicht finanziell gefördert – das Team ist für seine Arbeit auf Spenden angewiesen.  –  Christoph Schwartländer

22.05.2016 – Der Bote